Liebe Freunde,
ihr kennt sicher dieses eine, ganz besondere Gefühl: Wenn nach einem langen, steinigen Weg plötzlich eine riesige Last von den Schultern fällt. Man tut den ersten tiefen Atemzug seit Monaten, blickt sich um und spürt einfach nur Erleichterung und tiefe Dankbarkeit. Wir haben es geschafft. Die Kirche in Pampa Colorada ist offiziell eingeweiht!
Allen Widerständen und Hürden zum Trotz haben wir uns nicht entmutigen lassen. Es gab Momente, da brauchte es eine gehörige Portion Gottvertrauen und puren Zweckoptimismus – aber das Durchhalten hat sich gelohnt. Die Kirche ist wirklich wunderschön geworden. Ein Urteil, das übrigens auch der Bischof bei der feierlichen Einweihung mit einem strahlenden Lächeln geteilt hat.
Ein Ort, der mit den Menschen wächst
Wer die Geschichte von Pampa Colorada kennt, weiß, wie bemerkenswert diese Entwicklung ist. Mitte der 1970er Jahre wurde der Ort als strategischer Verkehrsknotenpunkt gegründet. Seitdem ist er rasant gewachsen, hat sich zu einer lebendigen Stadt und einem stolzen Marktflecken entwickelt. Doch etwas Wesentliches hat den Menschen hier all die Jahre noch gefehlt: ein spiritueller Mittelpunkt, ein Ort der Ruhe und Gemeinschaft.
Dass der Vorplatz im aktuellen bolivianischen Winter noch keine grünen Wiesen oder bunten Blumen zeigt, ist eigentlich ein schönes Symbol. Die Gemeinde soll und wird hier schließlich auch in Zukunft noch etwas zu tun haben. Es ist ein lebendiges Projekt, das von den Menschen vor Ort weitergestaltet wird.
Rückständig oder der Zeit voraus?
Beim Blick auf das fertige Gotteshaus kommt man unweigerlich ins Grübeln. Während in Europa immer mehr Kirchen geschlossen, entweiht oder verkauft werden, setzen wir hier in Bolivien ein ganz anderes Zeichen. Da stellt sich fast automatisch die Frage:
Sind wir hier eigentlich rückständig – oder sind wir vielleicht genau das Gegenteil? Sind wir modern, gerade weil wir Traditionen bewahren und den Menschen echten Rückhalt bieten?
Ich glaube fest daran: Es ist nicht rückständig, einen Raum für Gemeinschaft, Glauben und Nächstenliebe zu schaffen. In einer globalisierten, oft entwurzelten Welt ist das Bewahren von Fundamenten und Werten die modernste Antwort, die man geben kann. Eine Kirche gehört hier einfach ins „Städtle“ und in die Herzen der Menschen. Sie schenkt Identität und Heimat.
Ein riesiges Dankeschön an alle, die an dieses Projekt geglaubt, gebetet und uns unterstützt haben. Ohne euch wäre dieser Traum im Hochland Boliviens nicht Wirklichkeit geworden!
Herzliche Grüße,
Padre Hernán Tarqui im Dienst für die Ärmsten in den Bergen Boliviens
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