Wenn der Glaube Berge versetzt und dem Schatten des Drogenkriegs trotzt
Die Anden Boliviens: Atemberaubende Gipfel, dünne Luft und eine Landschaft, die majestätischer kaum sein könnte. Doch wer hinter die Postkartenidylle blickt, erkennt schnell, dass das Leben hier oben auf über 4.000 Metern ein ständiger, harter Kampf ist. Mittendrin, wo die Straßen enden und die Pfade steil werden, arbeitet Padre Hernán Tarqui. Ein Mann, der zeigt, was es bedeutet, Kirche nicht nur zu predigen, sondern hautnah zu leben – im Dienst für die Ärmsten der Armen.
Steile Wege und ein langer Atem: Der Alltag im Hochland
Wer in den abgelegenen Bergdörfern Boliviens etwas bewegen will, merkt schnell: Hier gelten andere Gesetze. Die Wege sind steil, die Logistik hinter jedem Hilfsprojekt ist ein echtes Abenteuer und Pläne laufen selten so, wie man sie am Vorabend geschmiedet hat. Ein plötzlicher Erdrutsch, ein streikender Motor oder das unberechenbare Wetter der Kordilleren können alles augenblicklich auf den Kopf stellen.
Doch für Padre Hernán und sein Team ist das kein Grund zur Resignation:
„Aber Aufgeben? Gibt’s nicht. Mit Gottes Segen, starker Gemeinschaft und einer ordentlichen Portion Tatkraft packen wir es an. Trotz aller Probleme: Wir bringen das auf die Reihe!“
Es ist diese unerschütterliche Mischung aus tiefem Glauben und zupackendem Pragmatismus, die den Menschen in den Bergen Hoffnung schenkt. Und diese Hoffnung wird dringender gebraucht als je zuvor. Denn zu den ohnehin schwierigen Lebensbedingungen kommt seit einiger Zeit eine unsichtbare, aber tödliche Bedrohung hinzu: Der eskalierende Drogenkrieg im Land.
Der Schatten über den Bergen: Ein Land im Würgegriff
Bolivien durchlebt gesellschaftlich und politisch eine der schwersten Krisen der jüngeren Geschichte. Als drittgrößter Kokainproduzent der Welt steht das Land im Fokus internationaler krimineller Netzwerke. Was früher oft abseits der Öffentlichkeit stattfand, bricht sich zunehmend in offener Gewalt Bahn.
Die Dynamiken des Drogenkriegs haben sich massiv verschärft:
Machtkämpfe der Kartelle: Große transnationale Banden – wie das brasilianische Verbrechersyndikat PCC – versuchen zunehmend, die Schmuggelrouten und Labore im Land unter ihre direkte Kontrolle zu bringen. Die Folge sind brutale Revierkämpfe und eine spürbare Zunahme von Gewalt, die längst auch ländliche Regionen erreicht hat.
Militarisierung und Gegenwind: Die politische Kehrtwende der Regierung, die Zusammenarbeit mit internationalen Antidrogenbehörden wie der US-amerikanischen DEA wieder aufzunehmen, hat den Druck im Kessel erhöht. Großangelegte Militäroperationen gegen Drogenlabore führen zu heftigen Spannungen.
Wirtschaftlicher Würgegriff: Durch die anhaltende Wirtschaftskrise, Treibstoffmangel und Inflation geraten die ärmsten Familien immer tiefer in die Armut. Wenn die reguläre Landwirtschaft kaum noch das Überleben sichert, steigt der Druck auf die Bauern, sich den Bedingungen der illegalen Koka-Wirtschaft zu beugen.
Zwischen Tradition, Not und Kriminalität
Für die indigene Bevölkerung in den Anden ist das Koka-Blatt seit Jahrhunderten ein heiliges Kulturgut – es hilft gegen die Höhenkrankheit, gibt Kraft bei der Arbeit und ist fester Bestandteil von Ritualen. Doch die Grenze zwischen traditionellem, legalem Anbau und den illegalen Machenschaften der Drogenbosse verschwimmt in den abgelegenen Tälern immer mehr.
Die Menschen in Padre Hernáns Gemeinden stehen oft unfreiwillig zwischen den Fronten: Auf der einen Seite die Verlockungen oder Drohungen der Kartelle, auf der anderen Seite die Angst vor militärischen Razzien und dem Verlust ihrer ohnehin spärlichen Existenzgrundlage. Besonders junge Menschen sind gefährdet, von den Drogennetzwerken als billige Kuriere oder Arbeiter rekrutiert zu werden, weil echte Zukunftsperspektiven fehlen.
Die Kirche als Schutzraum und Anker
Genau hier, an der Schnittstelle von sozialer Not und existenzieller Bedrohung, wird die Arbeit der Kirche überlebenswichtig. Padre Hernán Tarqui bringt den Menschen nicht nur geistlichen Beistand, sondern baut Brücken aus der Perspektivlosigkeit:
Gemeinschaft als Schutzschild: Indem die Kirche Familien zusammenbringt und stärkt, schafft sie ein soziales Netz, das Jugendliche davor bewahrt, in die Kriminalität abzurutschen.
Praktische Nächstenliebe: Ob es um die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln, medizinische Hilfe oder die Unterstützung von Schulen geht – angepackt wird da, wo der Staat oft nicht hinkommt.
Ein Ort der Zuflucht: Inmitten von Angst und Unsicherheit bieten die kleinen Bergkirchen einen sicheren Raum des Friedens und des Zuhörens.
Mit Tatkraft in die Zukunft
Es braucht einen extrem langen Atem, um unter diesen Bedingungen nicht den Mut zu verlieren. Doch die Menschen in den Bergen Boliviens besitzen eine Resilienz, die tief beeindruckt. Sie lassen sich weder von steilen Abhängen noch von den dunklen Schatten des Drogenkonflikts unterkriegen.
Padre Hernáns Dienst zeigt eindrücklich: Kirche ist kein starres Gebäude, sondern lebendige Bewegung. Sie findet dort statt, wo Menschen gemeinsam die Ärmel hochkrempeln, einander Halt geben und darauf vertrauen, dass am Ende das Licht stärker ist als die Dunkelheit.
Gemeinsam, mit Gottes Segen und einer ordentlichen Portion Tatkraft, bringen sie es auf die Reihe! 💪🛠️🏔️
Padre Hernán Tarqui im Dienst für die Ärmsten in den Bergen Boliviens
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