Samstag, 14. Februar 2026

Endspurt in Pampa Colorada

Warum der Bischof keine Farbe im Wein mag und ein junger Ort endlich seine Seele bekommt. ​Autor: Padre Hernán Tarqui

​Wenn ich hier auf der Baustelle stehe, umgeben von Staub, dem Geruch von frischem Putz und dem geschäftigen Lärm der letzten Arbeiten, muss ich schmunzeln. In meinem Büro, am Computer, erledigt meine KI Aufgaben in Sekundenbruchteilen. Ein Klick, und ein Text ist geschrieben oder eine Datenanalyse erstellt.

​Wenn ich hier auf der Baustelle stehe, umgeben von Staub, dem Geruch von frischem Putz und dem geschäftigen Lärm der letzten Arbeiten, muss ich schmunzeln. In meinem Büro, am Computer, erledigt meine KI Aufgaben in Sekundenbruchteilen. Ein Klick, und ein Text ist geschrieben oder eine Datenanalyse erstellt.

​Meine Arbeiter hier draußen? Nun, sie sind nicht so schnell wie meine AI. Aber wissen Sie was? Das ist auch absolut nicht notwendig. Denn das hier ist die Realität. Hier wird Stein auf Stein gesetzt, hier fließt Schweiß, und hier entsteht etwas Bleibendes, das man anfassen kann.

​Meine Arbeiter hier draußen? Nun, sie sind nicht so schnell wie meine AI. Aber wissen Sie was? Das ist auch absolut nicht notwendig. Denn das hier ist die Realität. Hier wird Stein auf Stein gesetzt, hier fließt Schweiß, und hier entsteht etwas Bleibendes, das man anfassen kann. 

Und genau deshalb kommt jetzt, wo wir auf die Zielgerade einbiegen, langsam aber sicher eine tiefe Freude bei mir auf über den Baufortschritt der Kirche in Pampa Colorada.

Und genau deshalb kommt jetzt, wo wir auf die Zielgerade einbiegen, langsam aber sicher eine tiefe Freude bei mir auf über den Baufortschritt der Kirche in Pampa Colorada.

​Der Februar-Blues und der Wettlauf gegen die Zeit
​Ich werde nicht lügen: Der letzte Monat war hart. Der Februar ist ohnehin schon kurz, aber für die umfangreichen Arbeiten, die noch auf unserer Liste standen, fühlte er sich dieses Jahr geradezu winzig an. Wir hatten das Gefühl, die Tage rinnen uns wie Sand durch die Finger.

​Es waren die vielen "Kleinigkeiten", die Zeit fraßen. Hier musste noch eine Leitung verlegt werden, dort trocknete der Estrich nicht schnell genug, und die Malerarbeiten zogen sich in die Länge. Es gab Momente, da zweifelte ich daran, ob wir den ursprünglichen Zeitplan halten können, ohne dass die Qualität leidet.

​Es waren die vielen "Kleinigkeiten", die Zeit fraßen. Hier musste noch eine Leitung verlegt werden, dort trocknete der Estrich nicht schnell genug, und die Malerarbeiten zogen sich in die Länge. Es gab Momente, da zweifelte ich daran, ob wir den ursprünglichen Zeitplan halten können, ohne dass die Qualität leidet.

Ein weiser Bischof und die Sache mit dem Rotwein
Doch manchmal braucht man einfach ein wenig göttliche Fügung – oder zumindest einen sehr lebenserfahrenen Bischof. Er muss unsere Sorgen wohl vorausgeahnt haben, oder er kennt einfach die Realität von Kirchenbaustellen besser als wir.

Als wir den Termin für die feierliche Segnung besprachen, winkte er beim ursprünglichen Februar-Termin ab und legte ihn kurzerhand in den März. Seine Begründung war so pragmatisch wie humorvoll:

Als wir den Termin für die feierliche Segnung besprachen, winkte er beim ursprünglichen Februar-Termin ab und legte ihn kurzerhand in den März. Seine Begründung war so pragmatisch wie humorvoll:

​"Ich möchte bei der Messe keine frische Farbe in meinem Rotwein schmecken!"
Ein Satz, der uns allen ein erleichtertes Lachen entlockte. Dieser Aufschub ist ein Segen im wahrsten Sinne des Wortes. Er gibt uns die nötige Luft, um die letzten Details mit der Sorgfalt zu erledigen, die dieser Ort verdient, anstatt in Hektik zu verfallen.

Ein Herz für Pampa Colorada
​Warum ist dieser Bau so wichtig? Man muss verstehen, was Pampa Colorada ist. Dieser Ort ist jung, er wurde erst in den 1970er Jahren aus dem Boden gestampft. In den letzten Jahrzehnten hat er sich rasant entwickelt und ist zu einem zentralen, geschäftigen Marktflecken für eine ganze Region geworden. ​Hier wird gehandelt, hier trifft man sich, hier pulsiert das wirtschaftliche Leben. Aber eine Stadt braucht mehr als nur einen Markt. Sie braucht einen Ort der Ruhe, der Besinnung, ein spirituelles Zentrum. 

Ein Herz.
​Mit der Fertigstellung dieser Kirche bekommt Pampa Colorada endlich dieses fehlende Puzzleteil. Es ist der Moment, in dem aus einer Ansammlung von Häusern und Geschäften eine echte Gemeinschaft mit einem gemeinsamen Ankerpunkt wird.

Wir nutzen nun die verbleibenden Tage bis zum März, um alles perfekt zu machen. Wenn der Bischof dann kommt, wird der Wein garantiert nicht nach Farbe schmecken, sondern nach einem wohlverdienten Fest für die ganze Gemeinde. Ich kann es kaum erwarten.

Padre Hernán Tarqui im Dienst für die Ärmsten in den Bergen Boliviens


Helfen Sie mit, um unser Ziel zu verwirklichen. Über den folgenden Link können Sie ein Überweisungsformular vervollständigen und in Farbe ausdrucken oder den QR-Code scannen und mit ihrer Banking App direkt einen Betrag von 50 Euro spenden. Das macht für sie am wenigsten Arbeit LOL. [Da die Aufgaben enorm sind freuen wir uns natürlich auch auf größere Beträge]

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Freitag, 13. Februar 2026

Zwischen Erinnerung und Zukunft

Der Rhythmus der Städte: Das Gesicht der Zukunft
In den großen Städten – sei es La Paz, Cochabamba oder Santa Cruz – pulsiert das Leben. Hier zeigt sich der Karneval oft so, wie man ihn an vielen Orten auf diesem Planeten kennt. Es ist laut, es ist bunt, es ist wild.

In den Straßen sehen wir die Espuma (Schaum), die Wasserbomben und die ausgelassene Jugend. Die Musik dröhnt aus großen Lautsprechern, moderne Rhythmen mischen sich mit Cumbia. Natürlich blitzt auch hier unsere Kultur auf – man denke nur an den majestätischen Carnaval de Oruro, wo die Tradition zur spektakulären Show wird. Doch im Alltag der städtischen Viertel dominiert oft das „Karnevalstreiben“: Das Feiern des Moments, das Vergessen des Alltags, die pure Lebensfreude.

In den Straßen sehen wir die Espuma (Schaum), die Wasserbomben und die ausgelassene Jugend. Die Musik dröhnt aus großen Lautsprechern, moderne Rhythmen mischen sich mit Cumbia. Natürlich blitzt auch hier unsere Kultur auf – man denke nur an den majestätischen Carnaval de Oruro, wo die Tradition zur spektakulären Show wird. Doch im Alltag der städtischen Viertel dominiert oft das „Karnevalstreiben“: Das Feiern des Moments, das Vergessen des Alltags, die pure Lebensfreude.

Es ist ein Spiegelbild der Globalisierung und der Zukunft. Unsere Städte sind modern, vernetzt und schnell. Dieser Teil des Karnevals repräsentiert das Bolivien, das nach vorne schaut, das Teil der Weltgemeinschaft ist.Unser Karneval in Bolivien – Ein Fest der zwei Welten. Wenn im Februar der Wind über das Altiplano weht und die ersten Klänge der Tarkas und Pinkillus durch die Luft hallen, wissen wir: Es ist Zeit. Der Karneval in Bolivien ist erwacht.

Es ist ein Spiegelbild der Globalisierung und der Zukunft. Unsere Städte sind modern, vernetzt und schnell. Dieser Teil des Karnevals repräsentiert das Bolivien, das nach vorne schaut, das Teil der Weltgemeinschaft ist.Unser Karneval in Bolivien – Ein Fest der zwei Welten.
Wenn im Februar der Wind über das Altiplano weht und die ersten Klänge der Tarkas und Pinkillus durch die Luft hallen, wissen wir: Es ist Zeit. Der Karneval in Bolivien ist erwacht.

Doch wer glaubt, der bolivianische Karneval sei ein einziges, homogenes Fest, der kennt die Seele unseres Landes noch nicht ganz. Wenn ich durch meine Heimat reise, sehe ich nicht einen Karneval. Ich sehe zwei Welten, die parallel existieren, sich manchmal berühren, aber oft vollkommen unterschiedliche Geschichten erzählen.

Doch wer glaubt, der bolivianische Karneval sei ein einziges, homogenes Fest, der kennt die Seele unseres Landes noch nicht ganz. Wenn ich durch meine Heimat reise, sehe ich nicht einen Karneval. Ich sehe zwei Welten, die parallel existieren, sich manchmal berühren, aber oft vollkommen unterschiedliche Geschichten erzählen.

Es gibt einen signifikanten Unterschied zwischen meinen Stadtgemeinden und meinen Gemeinden weit oben in den Hochebenen und Bergen Boliviens. Es ist ein Riss, der nicht trennt, sondern die Vielfalt unserer Identität zeigt: Wir stehen genau zwischen unseren Erinnerungen und unserer Zukunft.

Es gibt einen signifikanten Unterschied zwischen meinen Stadtgemeinden und meinen Gemeinden weit oben in den Hochebenen und Bergen Boliviens. Es ist ein Riss, der nicht trennt, sondern die Vielfalt unserer Identität zeigt: Wir stehen genau zwischen unseren Erinnerungen und unserer Zukunft.

Der Atem der Berge: Die Hüter der Erinnerung Doch wenn man die Stadtgrenzen verlässt, die asphaltierten Straßen gegen staubige Pfade tauscht und hinauf in die Hochebenen, zu den abgelegenen Dörfern im Schatten der Andengipfel fährt, verändert sich die Luft.

Der Atem der Berge: Die Hüter der Erinnerung
Doch wenn man die Stadtgrenzen verlässt, die asphaltierten Straßen gegen staubige Pfade tauscht und hinauf in die Hochebenen, zu den abgelegenen Dörfern im Schatten der Andengipfel fährt, verändert sich die Luft.

Hier oben ist der Karneval kein bloßes „Fest“. Hier ist er ein Ritual.

In den Dörfern treten die uralten Traditionen unserer Kultur, die Wurzeln der Aymara und Quechua, machtvoll hervor. Hier feiern wir nicht nur; wir danken. Es ist die Zeit der Anata Andina, das Fest, das eng mit der Landwirtschaft verbunden ist.

In den Dörfern treten die uralten Traditionen unserer Kultur, die Wurzeln der Aymara und Quechua, machtvoll hervor. Hier feiern wir nicht nur; wir danken. Es ist die Zeit der Anata Andina, das Fest, das eng mit der Landwirtschaft verbunden ist.

Die Verbindung zur Erde: Wir ehren die Pachamama (Mutter Erde). Es ist die Zeit der Regenzeit, die Zeit, in der die Kartoffelblüte steht. Die Zeremonien: Die Ch'alla (das Segnen von Haus, Hof und Ernte) wird hier mit einer Ernsthaftigkeit und Tiefe vollzogen, die Gänsehaut verursacht. Die Musik: Statt Lautsprechern hört man die tiefen, vibrierenden Töne der traditionellen Flöten, die den Regen rufen und die Geister der Vorfahren ehren sollen. Hier oben ist der Karneval nicht „Party“. Er ist Identität. Er ist das lebendige Gedächtnis eines Volkes, das seit Jahrtausenden im Einklang mit diesen Bergen lebt.

Die Verbindung zur Erde: Wir ehren die Pachamama (Mutter Erde). Es ist die Zeit der Regenzeit, die Zeit, in der die Kartoffelblüte steht. Die Zeremonien: Die Ch'alla (das Segnen von Haus, Hof und Ernte) wird hier mit einer Ernsthaftigkeit und Tiefe vollzogen, die Gänsehaut verursacht. Die Musik: Statt Lautsprechern hört man die tiefen, vibrierenden Töne der traditionellen Flöten, die den Regen rufen und die Geister der Vorfahren ehren sollen. Hier oben ist der Karneval nicht „Party“. Er ist Identität. Er ist das lebendige Gedächtnis eines Volkes, das seit Jahrtausenden im Einklang mit diesen Bergen lebt.

Der Balanceakt: Beides bewahren Wir stehen an einem Scheideweg, oder besser gesagt: auf einer Brücke. Auf der einen Seite haben wir die Erinnerungen: Die tiefen, mystischen Wurzeln der Dörfer, die uns lehren, woher wir kommen und warum wir die Erde respektieren müssen. Ohne diese Wurzeln wären wir nur ein weiteres Land auf der Karte, ohne Seele. Auf der anderen Seite haben wir die Zukunft: Die Dynamik der Städte, die Offenheit für Neues, die Entwicklung. Ohne diesen Blick nach vorn würden wir stillstehen. Die große Herausforderung – und gleichzeitig das Schöne an Bolivien – ist es, diesen Spagat zu meistern. Wir dürfen nicht zulassen, dass der städtische Lärm die leisen Flöten der Berge übertönt. Aber wir dürfen uns auch nicht vor der Welt verschließen.

Der Balanceakt: Beides bewahren
Wir stehen an einem Scheideweg, oder besser gesagt: auf einer Brücke. Auf der einen Seite haben wir die Erinnerungen: Die tiefen, mystischen Wurzeln der Dörfer, die uns lehren, woher wir kommen und warum wir die Erde respektieren müssen. Ohne diese Wurzeln wären wir nur ein weiteres Land auf der Karte, ohne Seele. Auf der anderen Seite haben wir die Zukunft: Die Dynamik der Städte, die Offenheit für Neues, die Entwicklung. Ohne diesen Blick nach vorn würden wir stillstehen. Die große Herausforderung – und gleichzeitig das Schöne an Bolivien – ist es, diesen Spagat zu meistern. Wir dürfen nicht zulassen, dass der städtische Lärm die leisen Flöten der Berge übertönt. Aber wir dürfen uns auch nicht vor der Welt verschließen.

Wir müssen beides bewahren. Wir müssen unseren Kindern beibringen, wie man eine Ch'alla richtig durchführt und warum wir der Pachamama danken, selbst wenn sie in modernen Städten leben und Videospiele spielen. Unser Karneval ist mehr als nur Kostüme und Tanz. Er ist der lebende Beweis dafür, dass wir Bolivianer Wanderer zwischen den Welten sind. Wir tragen die uralte Weisheit der Anden im Herzen und den Blick fest auf den Horizont von morgen gerichtet.

Wir müssen beides bewahren.
Wir müssen unseren Kindern beibringen, wie man eine Ch'alla richtig durchführt und warum wir der Pachamama danken, selbst wenn sie in modernen Städten leben und Videospiele spielen. Unser Karneval ist mehr als nur Kostüme und Tanz. Er ist der lebende Beweis dafür, dass wir Bolivianer Wanderer zwischen den Welten sind. Wir tragen die uralte Weisheit der Anden im Herzen und den Blick fest auf den Horizont von morgen gerichtet.
Jallalla Bolivia!

Padre Hernán Tarqui im Dienst für die Ärmsten in den Bergen Boliviens


Helfen Sie mit, um unser Ziel zu verwirklichen. Über den folgenden Link können Sie ein Überweisungsformular vervollständigen und in Farbe ausdrucken oder den QR-Code scannen und mit ihrer Banking App direkt einen Betrag von 50 Euro spenden. Das macht für sie am wenigsten Arbeit LOL. [Da die Aufgaben enorm sind freuen wir uns natürlich auch auf größere Beträge]

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Donnerstag, 12. Februar 2026

Treffpunkt der Welt

Wenn die Kirche zum Treffpunkt der Welt wird 

​„Wo zwei oder drei versammelt sind...“ – heute waren es deutlich mehr. Drei Trauungen durfte ich heute halten, jede für sich einzigartig und bewegend.

​„Wo zwei oder drei versammelt sind...“ – heute waren es deutlich mehr. Drei Trauungen durfte ich heute halten, jede für sich einzigartig und bewegend.

Besonders schön ist es für mich als Pfarrer, wenn ich sehe, wie Kirche Menschen zusammenbringt – manchmal über Ozeane hinweg. Bei einer der Trauungen war die Familie extra aus Argentinien angereist. Ursprünglich wohl für den Karneval, aber der Anlass wurde kurzerhand um eine Hochzeit erweitert.

Besonders schön ist es für mich als Pfarrer, wenn ich sehe, wie Kirche Menschen zusammenbringt – manchmal über Ozeane hinweg. Bei einer der Trauungen war die Familie extra aus Argentinien angereist. Ursprünglich wohl für den Karneval, aber der Anlass wurde kurzerhand um eine Hochzeit erweitert.

Es hat etwas sehr Schönes, wenn weltliche Freude (Karneval) und geistlicher Segen (Hochzeit) so pragmatisch und fröhlich zusammenfließen. Dass dabei für das Brautpaar sicherlich auch das ein oder andere Geschenk mehr abfällt, ist ein netter Nebeneffekt, den der liebe Gott sicher mit einem Lächeln sieht.

Es hat etwas sehr Schönes, wenn weltliche Freude (Karneval) und geistlicher Segen (Hochzeit) so pragmatisch und fröhlich zusammenfließen. Dass dabei für das Brautpaar sicherlich auch das ein oder andere Geschenk mehr abfällt, ist ein netter Nebeneffekt, den der liebe Gott sicher mit einem Lächeln sieht.

Allen Paaren von heute: Alles Gute und Gottes Segen!

Allen Paaren von heute: Alles Gute und Gottes Segen!

Padre Hernán Tarqui im Dienst für die Ärmsten in den Bergen Boliviens


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