Aus dem Evangelium nach Lukas Lk 8, 4–15
Was sagt uns das heutige Evangelium
Das Gleichnis vom Sämann spricht mit seiner klaren Sprache der Natur direkt in den Alltag der bolivianischen Anden (des Altiplano und der Täler). Wer auf kargen Böden, an steilen Hängen oder unter extremen Wetterbedingungen Landwirtschaft betreibt, versteht die Botschaft Jesu ohne lange Erklärungen.
Kartoffelfelder in den Bergen Boliviens. Hier ist die Heimat der Kartoffel.
Die Realität des Bodens und die Geduld des Lebens
In den Bergen Boliviens ist fruchtbarer Boden keine Selbstverständlichkeit. Oft prägen felsige Untergründe, Trockenheit, Frost oder dichtes Gestrüpp das Land. Das Evangelium erinnert daran, dass auch der Glaube und die Gemeinschaft Pflege brauchen. Der gute Boden entsteht nicht von selbst; er erfordert Mühe, das Entfernen von Steinen und das Schützen der jungen Saat. Die Ernte fordert – genau wie die Arbeit auf dem Feld – Ausdauer und Geduld ("Frucht bringen in Geduld").
Ein typischer Weiler in den fruchtbaren Teilen des Altiplanos
Schutz vor den „Dornen“ der modernen Welt
Die Dornen, die das Wort ersticken, stehen für die Sorgen des Alltags, aber auch für das Streben nach rein materiellem Wohlstand und oberflächlichen Versprechungen. In den Bergregionen Boliviens, wo viele Menschen zwischen traditioneller Lebensweise (wie dem Prinzip des Buen Vivir / Suma Qamaña) und dem Druck der modernen Konsumwelt oder der Arbeitsmigration stehen, warnen diese Worte vor dem Verlust der eigenen Wurzeln.
Zusammenhalt und Ayni (Gegenseitigkeit)
Der Same ist reichlich gesät und für alle da. Das Gleichnis lädt dazu ein, das eigene Herz für Werte wie Gemeinschaft, Ehrlichkeit und gelebte Solidarität offen zu halten. Ein „guter Boden“ ist in der Andenkultur selten eine Einzelperson allein, sondern die starke Dorfgemeinschaft (Comunidad), die einander trägt, den Glauben teilt und gemeinsam durch schwierige Zeiten geht.
Nach der Ernte eine zünftige Vesper würde man in Deutschland sagen
Hoffnung trotz harter Bedingungen
Selbst wenn ein Teil der Saat auf Felsen fällt oder verloren geht, lässt sich der Sämann nicht entmutigen. Am Ende steht eine hundertfache Frucht. Das ist eine Zusage der Hoffnung für das oft harte Leben in den Bergen: Wenn der Glaube fest verwurzelt ist und im Herzen bewahrt wird, bringt er – trotz aller Widrigkeiten – Reichtum an Leben, Freude und Frieden für das ganze Dorf.
Man erntet wo man gesät hat
Padre Hernán Tarqui – im Dienst für die Ärmsten in den Bergen Boliviens
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